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Steven Wucherpfennig in der Pleysteiner Stadtpfarrkirche St. Sigismund

Vom Politikwissenschaftler zum Pfarrer: Steven Wucherpfennig

Pleystein. (pi) Das gibt es auch nicht alle Tage: Aus einem Politologen wird ein Priester. Steven Wucherpfennig studiert seit 2024 in Regensburg Theologie. Der angehende Geistliche absolviert derzeit ein Praktikum in der Pfarreiengemeinschaft Pleystein-Waidhaus-Miesbrunn-Burkhardsrieth.

Beim Gespräch mit Oberpfalz-Medien lässt der 27-Jährige aber gleich wissen, dass er nicht der Einzige unter den Studenten ist, der nicht schon eine abgeschlossene Berufsausbildung hinter sich hat. „Im Priesterseminar sind unter anderem ein Bestatter, ein Chemiker und ein Historiker“, erzählt er. „Man sieht also, es ist ein breites Spektrum.“

Gut findet er dabei, dass das Bistum Regensburg im Studienjahr 2021/2022 die Priesterausbildung umgestaltet hat. „Das heißt, dass ein stärkerer Schwerpunkt auf die praktische Ausbildung der künftigen Priester gelegt wird.“ Das in Deutschland einmalige duale Studium findet er super. „Da ist es wie in der Wirtschaft: Lernen und Praxis.“

Aber wie kommt man nun zu dem Entschluss, Priester zu werden? Der in Duderstadt im Bistum Hildesheim aufgewachsene junge Mann spricht von einer gewachsenen Glaubenstradition in seiner Heimat, dem Eichsfeld. „Viele verbinden diese auch mit dem Besuch von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2011“, sagt er. „Dieses lebendige kirchliche Umfeld hat meinen Glaubens- und Berufungsweg von früh an geprägt.“

In seiner Heimatgemeinde war Wucherpfennig viele Jahre ehrenamtlich engagiert – ob als Ministrant, Lektor und Mesner, außerdem in der Firmkatechese sowie über zehn Jahre als Kantor und Sänger im Kirchenchor. „Das alles hat meine Freude an der Liturgie vertieft und meinen Glauben wachsen lassen.“

Dennoch entschloss er sich nach der Schulzeit 2017 zunächst für ein Studium der Politikwissenschaft an den Universitäten in Marburg an der Lahn und Halle (Saale). Dieses beendete er 2024 mit dem Grad des Masters of Arts (M.A.).

Damit wäre zwar der Grundstock für eine erfolgreiche Karriere gelegt gewesen, „die Frage nach einer Berufung zum Priester hat mich aber auch während dieser Zeit nicht losgelassen. Sie hatte mich bereits in meiner gesamten Schulzeit begleitet.“ Und so reifte bei ihm Schritt für Schritt der Entschluss, Theologie zu studieren.

Regensburg beschreibt er als idealen Studienort, „weil ich Theorie und Praxis verbinden kann. Und nach fünf Jahren praktischer Arbeit kann ich herausfinden, ob der Beruf des Priesters etwas für mich ist“. Zweifel hat er in dieser aber nicht mit Geringsten. „Außerdem ist Regensburg eine wunderschöne Stadt“, fügt er hinzu.

Nach dem Motto „Learning by doing“ kommt ihm das erste Praktikum in der Pfarreiengemeinschaft vollauf zugute. In Pfarrer Adam Karolczak hat er seinen Worten zufolge einen vorzüglichen Lehrherrn und kompetenten Ansprechpartner, zu welchem Thema auch immer. „Er nimmt mich viel mit“, erzählt er. „Da sehe ich schon mal das breite Arbeitspensum eines Pfarrers. Außerdem gefällt es mir hier sehr gut. Die Leute sind überaus freundlich und sehr interessiert.“

Insgesamt beschreibt Wucherpfennig das Pfarrpraktikum als sehr vielfältig. „Die Tätigkeiten reichen von Büroarbeit, der Gestaltung von Gottesdiensten, der Arbeit in den Gremien, dem Besuch der verschiedenen Pfarreigruppen, Schulunterricht und Erstkommunion- und Firmvorbereitung bis zur Begleitung bei Krankenkommunion und Begräbnis".

Besonders freut er sich auch, „dass in Pleystein Kirche noch gefragt ist. Hier zählen Pfarrer und Bürgermeister noch etwas.“ Und so freut er sich schon auf das weitere Praktikum in der Stadt mit dem Rosenquarzfelsen. „Bis zum Palmsonntag bin ich noch hier“, informiert er. „Dann geht’s wieder nach Regensburg ins Priesterseminar St. Wolfgang.“ Weitere Praktika in Pleystein à jeweils vier Wochen folgen im Herbst dieses Jahres und im Frühjahr 2027.

Eingeschlossen im Studium ist außerdem ein sogenanntes „Freijahr“. Das heißt, dass er zwei Semester außerhalb des Seminars absolvieren muss. Dazu kommt möglicherweise ein weiteres Praktikum mit Gefängnis- und Krankenhausseelsorge. Bestandteile des Theologie-Studiums sind außerdem Sprachnachweise in Griechisch und Hebräisch.

Wenn alles gut über die Bühne geht, wird Wucherpfennig die Priesterweihe im Juni 2031 empfangen. „Das ist noch ein langer Weg“, weiß er, ist aber überzeugt, „dass alles gut wird“.

🔗 Quelle
https://www.onetz.de/oberpfalz/pleystein/politikwissenschaftler-pfarrer-steven-wucherpfennig-id5324193.html